Peter Fox auf Tour | Die Referenz
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Peter Fox auf Tour


Ton-Chef Olsen Olic über seine Arbeit für Peter Fox und den Einsatz von Digidesigns Digitalpult The Venue auf der Peter-Fox-Tour.

Peter Fox ist lang schon im Musikgeschäft und mit Seeed ja auch durchaus erfolgreich, doch sein Solo-Debüt musste er sich mühsam erarbeiten, die erste CD gar auf eigene Kosten produzieren. Noch im Dezember 2008 ging man mit einem 7,5-Tonner auf Tournee. Jetzt, gerade mal zwei Monate später, stehen vier Trucks und drei Nightliner vor der Halle.

In unserem Fall war es die Münchner Zenith-Halle, und die war richtig voll. Da staunt sogar Olsen Olic, der Mann am Tonpult, der auch bei den Aufnahmen die Ton-Regie führt. Involtini will natürlich immer den besten Sound, und deshalb konnte er sich auch bis in den letzten Herbst hinein nicht mit dem Einsatz eines Digitalpults anfreunden.

Olic's Favorit war eine MIDAS Heritage H 3000 und dazu ein Rack voller feinster Peripherie. Doch als er dann im Herbst mit Peter Fox auf Tour gehen sollte und für sämtliches Material eben ein 7,5-Tonner reichen musste, sprang er über seinen Schatten, und machte damit viel Platz im Auto frei, indem er sich für ein Digitalpult entschied. Jetzt ist er mit The Venue von Digidesign unterwegs.



Olic war von Anfang an dabei bei Seeed, er hat auch alle drei Platten gemischt, wobei bei der letzten Produktion weitere Techniker dazu geholt wurden. "Die Musik ist doch sehr komplex, da dauert das immer ziemlich, und am Ende reicht fast regelmäßig die Zeit nicht mehr, also haben wir noch zwei, drei Kollegen mit eingespannt."

Zwölf Tage war die Crew mit Peter Fox im Dezember unterwegs. Mit dem kleinen Laster, wie gesagt, und stets in kleinen, aber überfüllten und lange ausgebuchten Hallen.

Doch dann ging es Schlag auf Schlag: Mit der Single-Auskopplung "Schwarz zu Blau" war Fox am 13. Februar bei Stefan Raabs Bundesvion-Song-Contest angetreten und hatte diesen gewonnen. Am 21. Februar bekam er den Echo in der Kategorie Hip-Hop/Urban, dazu den Echo-Kritikerpreis und zusammen mit The Krauts den Preis als "Produzent des Jahres". Darauf hin schoss sein Album "Stadtaffe" auf Platz 1 der deutschen Charts.

Die 16 Tage im neuen Jahr spielte Fox entsprechend vor vollem großen Haus, allein drei mal in Berlin. Und ab Ende Mai geht die Tour wieder weiter.

Vier Trucks waren bis oben voll mit Video-, Licht- und Ton-Euqipment, darunter die PA von Black Box Music aus Berlin: ein V-DOSC-Line Array von L-Acoustics, dazu SB-218, ARCS und FM115-Monitore.

Beim Licht mussten sich 26 VL 3500 gegen Blinder, Beamer und LED-Wand durchsetzen. Volles Programm auch für Olsen Olic: Drei Tage wurde jeden Abend in einer anderen Stadt gespielt, dann gab es einen freien Tag, auch zur Regeneration der Sängerinnen und Sänger.

Zum Bergfest der Tour also war Peter Fox in der Münchner Zenith und mit ihm auch Olic, nun schon erfahrener in Sachen Digitalpult: "Ich habe mich am Anfang drei Tage eingeschlossen und mir das zeigen lassen. Und jetzt bin ich eigentlich sehr zufrieden. Das einzige Manko für mich: Es kommt etwas wenig Pegel heraus, und das scheint nicht an meinen Einstellungen zu liegen."

Angefreundet hat Olic sich auch schnell mit der gesamten System-Umgebung des Pultes: "An Effekten nehme ich alles, was drin ist. Und dazu habe ich natürlich auch ein paar Plug-Ins, wie man sie halt auch von Protools kennt."

Zum ersten Mal zum Einsatz kam beim Münchner Konzert auch ein VSC-2-Kompressor von Vertigo. Da dieser ohnehin in Germering bei München entwickelt wurde und produziert wird, ließ es sich das Team von he Studiotechnik nicht nehmen, selbst mit anzulegen beim Rack-Einbau und dem Anschluss an das Digidesign-Pult.

Ebenfalls auf halber Tour wurde das Digitalpult mit einer Recording-Karte bestückt, die es erlaubt, 48 Spuren einfach komplett mitzuschneiden. Der Karten-Einbau war in einer halben Stunde erledigt, wie Olic erstaunt berichtete, dann musste nur noch der Rechner eingesteckt werden, die Aufzeichung erfolgte auf einer externen Platte. 48 Spuren über eineinhalb Stunden brauchen nicht mehr als 50 bis 60 GB, so Olic. Technisch also gar kein Problem.

Für die Vorband und als Havariepult hatte Olic gleich noch ein zweites Digidesign-Pult am FOH-Platz stehen, und er ließ es auch nicht nehmen, die Vorband selbst zu mischen, selbst für den Soundcheck am Nachmittag nahm er sich die Zeit. Dazu Olic: "Die Vorband zu mischen finde ich immer gut, weil ich mich so schon auf die Halle einstellen kann."

Insgesamt sechs Leute waren für den guten Ton verantwortlich, einer davon konzentrierte auf die 36 Funkstrecken auf der Bühne, als Monitorpult kam übrigens ein DiGiCo D5 zum Einsatz. Und dass letztlich alles reibungslos funktionierte, hatte sicher auch damit zu tun, dass das gesamte Team vor Beginn der Tour drei Tage lang in den Berliner Havelstudios alles komplett durchprobiert hat.

Die größte Herausforderung für Olic war, dass die Musik von Peter Fox an sich schon sehr dicht ist. Da spielt ein regelrechtes Orchester, und wenn dann die große Nachhallzeit so mancher Halle dazu kommt, hat der Tontechniker, der den perfekten Sound aus dem Studio im Ohr hat, schon mal die Stirn in Furchen.

Gegen 21 Uhr kam Leben auf die Bühne, auf der riesigen Videowand tauchte das Gesicht eines Gorillas auf, und dann verwandelte Peter Fox mit Tänzern und Musikern - unter anderem die vier "Cold Steel Drummers" - die Bühne in einen richtigen Tanzboden, die Choreographie stimmte genau so wie das Licht, die Videos und der Ton. Entertainment pur, was da geboten wurde. Und weil die zwölf Songs des aktuellen Debüt-Albums noch keinen ganzen Abend füllen, griff man eben einfach auf ein paar Seeed-Titel zurück. Begeistert waren am Ende alle. Peter Fox ist sicher einer der aufregendsten Acts, die derzeit auf Tour sind.

Hier sei allen Ungläubigen ein Besuch auf Peter Fox' eigener Homepage empfohlen.