pl+s Interview: Jörg Rader | Die Referenz
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pl+s Interview: Jörg Rader


Auf der prolight+sound: Jörg Rader von Audio-Technica über neue In-Ear-Systeme, Pulte von Allen & Heath und einen Walfisch mit Begleitung.

 

DieReferenz: Wie war Ihr gestriger Abend?
Jörg Rader: Ich war in einem wunderbaren Restaurant essen mit den Kollegen von Allen & Heath. Wir haben über die neuen digitalen Produkte gesprochen, die in nächster Zeit kommen, hatten viel Spaß, und ich war um 23:15 Uhr im Bett.

DieReferenz: Was hat Sie bisher besonders geärgert, verblüfft oder gefreut?
Rader: Ich habe zur Kenntnis genommen, dass Musikhäuser Online-Magazine kaufen und sehe das ein wenig mit Besorgnis. Es gibt dieses Jahr ansonsten wenig Messe-Gerüchte, das ist nicht normal.

DieReferenz: Was ist der wichtigste Unterschied zu Ihrem Messe-Auftritt im letzten Jahr?
Rader: Bislang jedenfalls muss ich sagen, wir haben mindestens doppelt so viele Leute am Stand gehabt als im letzten Jahr in der Zeit. Was uns erstaunt hat, wir haben damit nicht gerechnet, sind aber sehr froh darüber. Wir haben unsere internationalen Kollegen besser einbinden können in der Vorbereitungsphase. Wir haben japanische Kollegen, Amerikaner, Engländer, Franzosen, Italiener hier am Stand. Zum Stand selbst: Wir denken, der Kunde sollte uns mit allen Sinnen erleben. Man riecht frisch geschnittenes Gras, man hört Vogelstimmen, man grünen Tee trinken oder Kaffee – also, alle Sinne sind dabei, das war die Idee.


DieReferenz: Was ist Ihr wichtigstes Produkt?
Rader: Das wichtigste Produkt ist unser In-Ear-Monitoring- System, an dem wir jetzt fast drei Jahre gearbeitet haben. Unser Gerät bietet mehr Möglichkeiten als andere Systeme, die derzeit am Markt sind. Das fängt mit Details an wie zum Beispiel unseren XLR- und Klinken-Eingängen und auch XLR-Ausgängen zum Weiterschleifen ins nächste System. Man kann zum Beispiel mit dem Funkmikro in das Gerät reingehen und dann wieder mit dem XLR raus in die Stagebox zum Mischer. Das spart einfach zwei Kanäle auf dem Multicore und vier Kabel. Dazu bieten wir einen sehr guten Sound zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis.

Ich denke, wir haben eines der durchdachtesten Systeme auf dem Markt, was die praktische Anwendung angeht. Wir haben immer wieder Prototypen gebaut und diese unseren Leuten mitgegeben zum Testen. Jeder, der bei Audio Technica arbeitet, ist eigentlich auch irgendwie Musiker. Wir haben es unseren Endorcern mitgegeben und sie um Tipps gebeten, was wir besser oder anders machen sollten und das über einen langen Zeitraum von über einem Jahr. Dabei sind immer neue Features dazu gekommen. Ich habe einen Aux-Eingang, der für Mikrofone oder Line-Pegel taugt, ich kann ein Lavaliermikrofon anschließen für meine Atmosphäre, denn was nützt es, wenn wir uns hier unterhalten und das Atmosphärenmikrofon vorne bei den Lautsprechern steht, da hören wir uns nicht, das Mikrofon muss am Mann sein.

Das ist nur eine Idee. Wir haben vollen Stereo-Betrieb, den ich umschalten kann auf Mono. Und ich meine jetzt nicht, dass wir die Eingänge irgendwie zusammenfassen, wie es andere Hersteller machen, sondern wir haben wirklich eine Mono-Übertragung. Mann kennt das vom Küchenradio. Wenn ich da Rauschen habe und schalte am Radio auf Mono um, dann hört das Rauschen auf. Ich habe dadurch deutlich mehr Reichweite. Wenn ich also in kritische Situationen gerate, wo es mit der Übertragung nicht so klappt, schalte ich auf Mono um und habe eine sehr sichere Übertragung, dann zwar nur Mono, aber die Show ist gut.

Das kleine System namens Audio Technica N2 liegt bei 549 Euro, das große Systems heißt Audio Technica N3 und kostet 749 Euro.

DieReferenz: Was ist der wesentliche Unterschied zwischen den Systemen?
Rader: Das kleine System soll für den Benützer sehr einfach sein in der Handhabung. Ich habe zehn Frequenzgruppen mit jeweils zehn Frequenzen, die jeweils intermodulationsfrei laufen. Ich kann also zehn System simultan betreiben, wenn ich innerhalb einer Gruppe bleibe, 100 Frequenzen absolut.

Bei dem größeren System kann ich die Frequenzen in Schritten von 25 KHz durchstimmen. Dazu brauche ich ein bisschen mehr Fachwissen, denn ich muss wissen, welche Frequenzen zusammen spielen können, das steht in der Bedienungsanleitung, aber ich bin sehr flexibel. Der Anwender, der im professionellen Bereich arbeitet und mit solchen System vertraut ist, wird dadurch viele Probleme lösen können und viel mehr Systeme simultan an den Start bekommen.

DieReferenz: Bleiben wir noch einen Moment bei den Produkten. Wie schaut es aus bei Allen & Heath?
Rader: Es gibt zwei Themen, die neu bearbeitet werden, am oberen und auch am unteren Ende der Skala. Am oberen Ende nach wie vor das Thema iLive, digitale Mischpulte. Es gibt mehr Vielfalt an Oberflächen, es gibt mittlerweile sehr kleine Oberflächen, es gibt sogar eine Computer-Software, wo ich die Oberflächen komplett weglassen kann. Es gibt neue Eingangs- und Ausgangsmodule zum System, es gibt eine Konfiguration für Recording dazu. Es wird in sehr naher Zukunft auch kompaktere Systeme geben, die in einem deutlich niedrigeren Preisbereich liegen werden.

Am unteren Ende ist die Z-Serie angesiedelt, wo auf dieser Messe gleich vier neue Produkte gezeigt werden, mit und ohne Effekte. Allen Pulten ist es gemein, dass sie eine USB-Schnittstelle haben, wo ich zwei Kanäle entweder rein oder raus geben kann. Die Pulte liegen preislich ganz grob zwischen 450 und 1.700 Euro.


DieReferenz: Wie ist Ihr persönlicher Messe-Eindruck?
Rader: Mein Messe-Eindruck ist ja erst ein paar Stunden alt, also sehr subjektiv. Ich habe heute früh schon viele Kunden von uns gesehen, nicht nur bei uns am Stand, sondern in der ganzen Halle. Und meine Erinnerung ist so, dass es so gegen Mittag erst losgeht. Ich habe auch wahrgenommen, dass zum ersten Mal die DPA über die Musikmesse berichtet hat, am Sonntag war das, das habe ich noch nie gesehen. Insofern wird offensichtlich von verschiedenen Verbänden, die die Musikindustrie betreuen, eine gute PR gemacht, die wir auch merken.

DieReferenz: Wie sehen Sie Ihre Position im Feld Ihrer Mitbewerber?
Rader: Audio Technica ist nie ein Ferrari gewesen, um es mal mit den Autos zu formulieren. Audio Technica ist der Audi, der zuverlässig ist, im gehobenen Mittelfeld schwimmt. Obere Mittelklasse, würde ich sagen, und genau da sind wir richtig. Auch unsere anderen Produkte gehören da hin, die wir vertreiben,

DieReferenz: Sie führen hier ja viele Kundengespräche. Was war das interessanteste?
Rader: Das interessanteste Kundengespräch bisher hatte ich mit einem Kunden aus Südafrika, der erstaunlicherweise alle unsere Neuheiten bereits kannte. Er hat sich wahrscheinlich auf der Webseite schon schlau gemacht. Es war immens viel Produktwissen da, und das Gespräch war auf einem sehr hohen Level. Ich bin sicher, mit diesem Kunden wird es weiter gehen, da wird auch Business passieren.

DieReferenz: Welche Entwicklung in Ihrer Firma war vor einem halben Jahr noch überhaupt nicht absehbar und hat Sie daher am meisten überrascht?
Rader: Das war im Consumer-Bereich. Wir bauen seit der IFA, etwa im letzten September, den Consumer-Bereich in Deutschland aus, in Amerika und in England gibt es den schon seit mehreren Jahren. Wir haben in wenigen Monaten ein Konzept aufgestellt, was besser funktioniert als wir dachten.

DieReferenz: Wo auf der Welt erwarten Sie in diesem Jahr die höchsten Zuwachsraten?
Rader: In China, gerade bei uns. Wir betreuen die Olympischen Spiele, seit 16 Jahren jetzt. In Peking sind über 4.000 Audio-Technica-Mikrofone am Start, 60 Funkkanäle simultan betrieben. Und das strahlt aus auf unseren Vertrieb, unsere Partner in China.

DieReferenz: Stellen Sie sich vor, die Branche ist ein einziger großer Zoo. Welches Tier ist dann Ihre Firma?
Rader: Audio Technica ist ein sehr, sehr merkwürdiges Tier. Wenn man es vom Mond aus betrachtet, ist es Riesentanker, ein Walfisch, ein riesengroßes Tier, das weltweit eine Menge Power hat und eine sehr große Bedeutung. An diesem Tier sind wir so was – um bei Schiffen zu bleiben, ein kleines Pistolenboot, ein kleines, schnelles Tier, das flexibel reagieren kann, mit vielen Speerspitzen, die man heute hier und morgen dort hin stecken kann, das immer um den Walfisch herum schwimmt. Das seine Freiheiten hat, also auch mal nach hier oder dort gehen darf, aber letztendlich immer zum Haupttier zurück muss.
www.audio-technica.de


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