satis&fy baut für Nike in Mailand

Zwölf Trailer, 16.000 Schuhkartons, 600 Kartuschen Silikon, 125 Tonnen Kies, 40 Kilo Heißkleber und 600 LED-Lampen: satis&fy ließ es für Nike in Milano richtig krachen.


 

Auf der Mailänder Design Week (12. bis 14.4.2016) geht es schon lange nicht mehr nur um Möbeldesign. Viele branchenfremde Unternehmen reisen mittlerweile zum Design-Gipfel der weltweit größten Möbelmesse an, um abseits des 207.000 Quadratmeter großen Messegeländes der Fiera Milano Rho ihre Visionen von Design zu präsentieren.

Auch Sportartikelhersteller Nike mischt sich schon seit Jahren unter die ausstellenden Brands. In diesem Jahr beeindruckte das Unternehmen die Designwelt mit der Ausstellung "The Nature of Motion".

Das Unternehmen mietete sich für knapp einen Monat in einer alten im Süden Mailands gelegenen Industrie-Location unweit der Fondazione Prada ein. Bereits ein Jahr zuvor hatte die Sportmarke zehn internationale Designer aufgefordert, sich mit dem Thema Bewegung auseinanderzusetzen, um die Ergebnisse dieses Kreativprozesses auf der Messe zu präsentieren.

Für den Umbau der Location und die Umsetzung des Designkonzepts wurde die satis&fy AG beauftragt. Drei Wochen benötigte der Eventdienstleister für die Abwicklung des Setups, insgesamt waren 30 Messebauer, 15 Techniker und 20 Helfer beteiligt.

 

16.000 Schuhkartons waren noch das Wenigste: satis&fy für Nike in Milano mit dem Umbau einer Industrie-Anlage (Foto: Lorenza Mercuri)
16.000 Schuhkartons waren noch das Wenigste: satis&fy für Nike in Milano mit dem Umbau einer Industrie-Anlage (Fotos: Lorenza Mercuri).

 

16.000 Schuhkartons

Konstruktives und prägnantes gestalterisches Element der Ausstellung war eine 200 Meter lange Wand aus 16.000 weißen Schuhkartons, die die Künstlerbereiche voneinander trennte. In drei Trailern wurden die Original-Nike-Schuhkartons nach Mailand transportiert und vor Ort fünf Tage lang von zwölf Helfern zusammengefaltet.

"Wegen der Brandschutzauflagen mussten die Kartons mit B1‑zertifizierten Styropor-Inlays versehen werden", erklärt satis&fy Project Manager Guido Klose. Diese hatte man von einem Dienstleister aus dem Rhein-Main-Gebiet eigens anfertigen lassen. Um die Stabilität der Wand zu garantieren, wurden die Schuhkartons miteinander verklebt, wofür mehr als 40 Kilo Heißkleber und 600 Kartuschen Silikon verbraucht wurden.

 

Alles andere als konventionell

 

16.000 Schuhkartons waren noch das Wenigste: satis&fy für Nike in Milano mit dem Umbau einer Industrie-Anlage (Foto: Lorenza Mercuri)

 

Die Umsetzung des Projektes brachte eine Vielzahl von Herausforderungen mit sich. So lagen anfangs keine Genehmigungen für den Betrieb der Halle als Eventlocation vor. Außerdem musste diese für die Veranstaltung komplett saniert werden.

 

"Das war für uns eine ausnehmend spannende Baustelle; es war fast so, als würden wir ein Haus bauen", berichtet auch satis&fy Project Manager Christoph Grobe.

"Wir haben, bevor es mit der eigentlichen Projektumsetzung los ging, eine Woche lang Wände aufgerissen, Türen eingebaut, Holzbalken in der Farbe der Location gestrichen und 400 Fensterscheiben abgedunkelt, um den außergewöhnlichen Charakter der Location zu erhalten.

Zudem wurde eine Rollstuhlrampe gegossen, Stromanschlüsse wie auch Estrich wurden verlegt. Überall standen Bagger und schweres Arbeitsgerät herum."

 

Spannrahmen seien bei dieser Veranstaltung kaum verbaut worden, was bei Events für den Sportartikelhersteller eher selten vorkomme.

 

Baustelle mit Hindernissen

 

16.000 Schuhkartons waren noch das Wenigste: satis&fy für Nike in Milano mit dem Umbau einer Industrie-Anlage (Foto: Lorenza Mercuri)

 

Flexibilität stellte satis&fy nicht nur als Bauunternehmer, sondern auch als Straßenbaufirma unter Beweis ― etwa während des Genehmigungsprozesses für die temporäre Nutzungsänderung, als vom Mailänder Bauamt ein weiterer Notausgang gefordert wurde.

 

Guido Klose: "Die Vorschriften sehen vor, dass die Notausgänge gegenüber dem Eingang zu liegen haben. Bedingt durch die bauliche Situation konnten wir den Ausgang aber nur in der Ecke realisieren, wo ursprünglich die Stromgeneratoren geplant waren."

 

Da die italienische Gesetzeslage vorschreibt, dass Generatoren und externe Tanks mindestens drei Meter vom Notausgang und drei Meter vom nächsten Gebäude entfernt sein müssen, wurden diese kurzerhand in eine Baustelle auf der gegenüberliegenden Straßenseite integriert, "selbstverständlich erst nach dem Einholen der Baugenehmigung".

Glücklicherweise betrug die Genehmigungszeit für das unterirdische Verlegen der Kabel nur einen Tag. Die Genehmigung für die oberirdische Verlegung hätte zum Vergleich 45 Tage beansprucht.

 

"Und dann hieß es: Loch graben, Rohre verlegen, teeren, Verkehr umleiten, Loch auf der anderen Seite graben, Rohre verlängern, teeren, Straße wieder für den Verkehr freigeben, Generatoren in der neuen Position platzieren, Kabel unterirdisch verlegen und anschließen", zählt Klose die Arbeitsfelder auf. Business as usual? Nicht wirklich.

 

Unsichtbare Technik

Die Technik spielte in Mailand eine eher untergeordnete Rolle. So sollte zum Erhalt der ursprünglichen Hallen-Atmosphäre weitestgehend auf den Einsatz von Traversen verzichtet werden. Ziel war es, die Technik möglichst unsichtbar in die Gestaltung einzubinden, was mit Strom-Schienen gelang.

Grundlicht aus ETC Source4 Mini und Arri 300 W- sowie 650 W-Stufenlinsen gab es für die Künstlerflächen. Es inszenierte die dreidimensionale Struktur der Wände. Eine LED-Leinwand aus 243 Panels LEDitgo SB3-Elementen (3,75 mm Pixel Pitch) wurde in einem Bereich aufgestellt, den Nike der "Genealogy of Nature Motion" widmete.

 

Sonderbau in Spitzenqualität

 

30 Messebauer, 15 Techniker und 20 Helfer von satis&fy hatten drei Wochen alle Hände voll zu tun (Fotos: Foto: nike.com)
30 Messebauer, 15 Techniker und 20 Helfer von satis&fy hatten drei Wochen alle Hände voll zu tun (Foto: Foto: nike.com)

 

Neben dem Ausbau der Künstlerflächen konnte satis&fy mit eigenen Sonderbau-Lösungen punkten. So thematisierte eine Fläche die Flyknit-Technologie von Nike. Dafür fertigte satis&fy Mooswürfel aus einer mit Lochblech belegten, vor Ort zusammengeschraubten und von einem italienischen Landschaftsarchitekten mit Moos beklebten Stahlkonstruktion an.

An anderer Stelle kamen 25 Sitzwürfel zum Einsatz, die nach Designvorgabe mit einer 3D-Fräse aus Modellbaumaterial gefertigt und im Anschluss mit Polyurea-Oberfläche beschichtet wurden. Für die Ausstellung verschiedener futuristisch-kreativ inszenierter Nike-Schuhmodelle brachte man 25 hinterleuchtete und in Karben vorgefertigte Glasvitrinen nach Mailand.

 

satis&fy für Nike in Milano mit dem Umbau einer Industrie-Anlage (Foto: nike.com)
satis&fy für Nike in Milano mit dem Umbau einer Industrie-Anlage (Foto: nike.com).
 

 

Workout-Zone

Natürlich wurde auch auf dem Außengelände gearbeitet. Hier entstand eine 10 mal 50 Meter große Bühne für Workouts und Präsentationen, gebaut aus einem Layer-Unterbau und mit Bütec-Platten belegt. Zuvor wurden 125 Tonnen Kies aufgeschüttet ― insgesamt fünf Lkw.

Umsäumt wurde die Bühne von 600 per DMX einzeln angesteuerten LED-Lampen, zusammengebaut aus einer Edelstahlstange und einem 38 cm hohen gefrosteten Plexiglasstab. Jeder Stab wurde mit einer LED-Lampe versehen. Alle 600 Stangen wurden von einem Crew-Mitglied einzeln gedreht. "Leider mussten die Stangen für eine Abendveranstaltung wieder weichen, eine der vielen Auflagen der Stadt", erzählt Christoph Grobe.

 

16.000 Schuhkartons waren noch das Wenigste (Foto: Lorenza Mercuri)
16.000 Schuhkartons waren noch das Wenigste (Foto: Lorenza Mercuri).

 

Künstlerlogistik

satis&fy übernahm nicht nur den Aufbau der acht Künstlerflächen, auch den Transport der Ausstellungsstücke wickelte die satis&fy Logistik ab. "Jeder Künstler hatte individuelle Auflagen und Ansprüche", erklärt Grobe.

Für den Designer Max Lamb beispielsweise musste ein vier Tonnen schwerer Granitblock in die Halle transportiert und mit Druckluft zum Schweben gebracht werden. Nach drei Wochen Aufbau und einer Veranstaltungswoche ging es für die Planungs-, Konstruktions- und Projektteams Ende April wieder zurück nach Deutschland, in die Niederlande, von wo aus ein Großteil der Event-Umsetzung gesteuert wurde, und in die USA ― im Gepäck das Wissen, etwas Großes auf die Beine gestellt zu haben.
 

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