PRG auf der BOE ganz anders | Die Referenz
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PRG auf der BOE ganz anders

Auf der Best of Events 2017 in Dortmund zeigte PRG ein Stück Virtual Reality. Wir waren mit Sky Du Mont dabei.
 

Wer im letzten Jahr auf der Best of Events war, kann sich zweifellos an den großen Auftritt von PRG XL Video erinnern. Es war eine eigene Welt, ein Parcours, auf dem man durch die Produktion einer großen Veranstaltung geführt wurde: Auf einer knapp 4.000 Quadratmeter großen Fläche hatte PRG in 3D die verschiedenen Phasen der Eventproduktion zum Deutschen Nachhaltigkeitspreis gezeigt. Und am Ende der Wegstrecke hatte die Besucher eine großzügige Lounge erwartet.

 

Der Counter zur PRG Lounge auf der Best of Events 2017: Noch weiß man nicht, was kommt ...
Der Counter zur PRG Lounge auf der Best of Events 2017: Noch weiß man nicht, was kommt ...

 

Ganz anders 2017: Dieses Mal beginnt es in der Lounge. Am Counter bekommt man ein Ticket mit einer Show-Nummer und wartet auf den Eintritt. Entspannt und gelassen macht man es sich bequem, isst oder trinkt etwas, bis auf dem großen Display die Show-Nummer auf dem Ticket aufgerufen wird.

Dann wird man in einen relativ kleinen Raum geholt, steigt ein paar Treppenstufen zu einem Bühnenpodest hinauf und setzt sich auf einen der neun blauen Drehsessel. Eine Assistentin hilft einem mit einer voluminösen Brille.

 

Man steigt auf ein Podest, setzt sich die Brille auf ...
Man steigt auf ein Podest, setzt sich die Brille auf ...

 

Und schon geht's los: Als erstes fällt der Vorhang, und man sieht, dass man sich in einer kahlen, großen Messehalle befindet. Dann zeigt einem ein PRG-Mitarbeiter, welche Art von Veranstaltungen man hier realisieren könnte. Und wie.

Ob Messestand oder Hauptversammlung, die Halle verwandelt sich im Handumdrehen, man selbst ist mittendrin und kann sich auf dem bequemen Sessel herum drehen und jede Ecke genau inspizieren.

Nun fährt das Podest, auf dem man sitzt, auch noch hoch. Und das ist gut so. denn die Halle wird zu Demonstrationszwecken mit Wasser gefüllt und sieht jetzt wie eine überflutete Tiefgarage aus.

 

Von außen sieht es unspektakulär aus, aber es ist fantastisch
Von außen sieht es unspektakulär aus, aber es ist fantastisch.

 

Am Ende der kurzen Präsentation klettert der PRG-Mitarbeiter per Leiter auf Podesthöhe und teilt uns mit, dass es zu seinem Bedauern, ein kleines technisches Problem mit dem Hubpodest gäbe – erstaunlich eigentlich, dass so etwas bei PRG vorkommt! – aber leider müssten wir nun über die Leiter vom Podest steigen.

Das alles stimmt, denn man hat es ja selbst so erlebt. Und es stimmt auch wieder nicht, was man tatsächlich erst begreift, wenn man die Brille abgenommen hat und die breite Treppe immer noch da ist, wo sie war, bevor man die Brille aufgesetzt hat.

Die virtuelle Realität ist überzeugend echt, und man braucht eine Zeit, um ihre Virtualität zu realisieren und sich schließlich auszumalen, was alles möglich wäre. Dass PRG einem Kunden auf diese Weise zeigen kann, wie ein Event in der Realität aussehen könnte, ist dabei noch die einfachste Überlegung.

 

Mit Sky Du Mont und Morten Carlsson im Gespräch

 

Morten Carlsson und Sky Du Mont am Ort des virtuellen Geschehens
Morten Carlsson und Sky Du Mont am Ort des virtuellen Geschehens.

 

In der virutellen Welt dabei waren der Schauspieler und Moderator Sky Du Mont und Morten Carlsson von PRG XL Video. Als wir wieder festen Boden unter den Füßen hatten, war Zeit zu einem Gespräch in der Lounge.

 

Nokia OZO VR: Die Kamera der Zukunft für 3D-Videos in 4K.
Nokia OZO VR: Die Kamera der Zukunft für 3D-Videos in 4K.

 

DieReferenz: Herr Du Mont, haben Sie denn vor diesem Projekt hier schon einmal mit Virtual Reality zu tun gehabt?

Sky Du Mont: Ja, Herr Carlsson wusste das nicht, aber ich bin ja ein totaler Freak, was diese Sachen angeht. Ich hatte auch schon die verschiedensten Brillen ausprobiert.

Diese Kamera - Sie nennen sie Kaulquappe, oder? - die habe ich hier allerdings zum ersten Mal gesehen. Ich finde das alles sehr spannend. Das ist für mich absolut die Zukunft, weil es einfach ungeahnte Möglichkeiten bietet.

Stellen Sie sich mal vor, Sie wollen einen Urlaub buchen und anstatt irgendwelche, vielleicht sogar schlecht gedruckten Fotos anzusehen, setzen Sie sich die Brille auf und können am Strand entlang gehen und in das Zimmer gehen, das Sie dann kriegen ... es gibt ja Möglichkeiten ohne Ende.

Oder Sie können sich in das Auto setzen, das Sie vielleicht kaufen möchten und können die Bedienmöglichkeiten sehen und virtuell fahren - toll. Ich bin wirklich hingerissen.

 

DieReferenz: Sie sind ja häufig auch als Moderator tätig, ist Ihnen die Technik dabei überhaupt wichtig oder muss nur einfach alles funktionieren?

Du Mont: Ich finde die Technik sehr, sehr wichtig. Sie kann so viel bewegen. Ich mache ja sehr viel mit Sprache, Werbung und so weiter, da geht es schon mit den unterschiedlichen Mikrofonen los.

Aber in vielen Bereichen werden die technischen Möglichkeiten, die es gibt, gar nicht ausgenutzt, was ich ganz erstaunlich finde. Ich meine hier, dieser 3D-Klang, den ich gerade zu hören bekommen habe, das kannte ich gar nicht, das fand ich ganz toll. Leider habe ich noch nie einen 3D-Film gemacht.

 

DieReferenz: Dann wäre das noch Neuland …

Morten Carlsson: Im Prinzip ist das für alle Marktteilnehmer Neuland. Wir sind ja mit die ersten, die konkrete VR-Projekte umsetzen – können aber bezüglich VR-Produktion nicht auf viel Erfahrung zurückgreifen. Wir haben bei PRG LAB ein Team aufgebaut, das aus erfahrenen Audio- und Vidoprofis besteht und sich jetzt ausschließlich mit Virtual Reality Projekten beschäftigt.

Vieles müssen wir uns selbst erarbeiten, weil es einfach noch keine Erfahrungswerte gibt. Wie wir überhaupt künftig Filme drehen und produzieren werden, wird sich erst ergeben. Man kann zum Beispiel kein Licht mehr hängen, wie man es gewohnt ist, weil das ja im Bild wäre …

Du Mont: Oder die gähnenden Schauspieler im Hintergrund, die noch nicht dran sind ...

Carlsson: Man muss das alles ganz neu durchdenken. Das könnte die Branche umkrempeln.

DuMont: Es war ja damals schon eine Riesenrevolution, als es hieß, wir können jetzt elektronisch Filme drehen, ohne Film, ohne Negativschäden ...

 

Hinter den Kulissen: Jede Menge Technik.
Hinter den Kulissen: Jede Menge Technik.

 

DieReferenz: Ihr habt ja jetzt im Vorfeld schon einen kleinen Film produziert, wurde da auch schon die VR-Kamera benutzt?

Carlsson: Die Kamera war zu sehen - wir haben sie für unsere Aktion allerdings nicht genutzt.
Für unsere Anwendung gibt es momentan noch zu wenige Empfänger, die das sehen können. Die Anwendung der Technik muss Sinn ergeben. Eine VR-Produktion soll der Zielsetzung gerecht werden und kein Selbstzweck sein.

In der Eventbranche stehen wir wirklich noch ganz am Anfang und es dauert sicher noch ein paar Jahre, bis sich die Technik überall durchgesetzt hat. Auch bezüglich der Qualität ist noch reichlich Luft nach oben.

Bis VR eine echte Alternative zum konventionell produzierten Film ist, wird es noch ein paar Jahre dauern. Wir stehen am Anfang und erleben die Entwicklung mit. Es wird sich zeigen, wer mitmachen kann und will, denn es ist kompliziert.

Du Mont: Das sind quasi Gründerjahre, die Leute wissen ja noch gar nicht, welche Möglichkeiten es gibt.

Carlsson: Gründerjahre, die vielleicht auf eine komplette Revolutionierung der Filmindustrie hinauslaufen. Vielleicht wird man sich irgendwann einen Film mit einer hochauflösenden Brille ansehen, die so hoch aufgelöst ist, dass man VR bezüglich der Auflösung nicht mehr von der Realität unterscheiden kann. Dann macht ein Kino in dem Sinn, wie wir das kennen, keinen Sinn mehr. Aber das ist Zukunftsmusik.

Du Mont: Ja, aber das Drehen wird vielleicht nicht funktionieren. Jeder Kameramann wird Ihnen sagen, dass das Licht eine entscheidende Rolle spielt, und das können Sie dann nicht mehr so setzen. Trotzdem bin ich von der Richtigkeit dessen, was Herr Carlsson sagt, überzeugt. Ich bin ja selbst schon einer, der abends nicht mehr aus dem Haus geht. Sternförmig geht die gesamte Familie auseinander, jeder holt sich irgendeine Serie runter von Netflix, so ist es. Das ist natürlich die Zukunft, ganz spannend.

 

In der virtuellen Welt angekommen: Sky du Mont während der "Show"
In der virtuellen Welt angekommen: Sky du Mont mit Gästen während der "Show".

 

DieReferenz: Wie war das jetzt für PRG? War das eine große Investition?

Morten Carlsson: Ganz klar, vor allen Dingen in Personal. Technik natürlich auch, aber so ein Team aufzubauen kostet Geld.

 

DieReferenz: Ist das eine Aktion von PRG Deutschland?

Morten Carlsson: In erster Linie von PRG Deutschland bei unserer Abteilung PRG LAB - aber natürlich für die Gruppe. Wir sind hier bei diesem Thema Vorreiter, haben das übernommen, bauen das Know-how auf und wollen es dann exportieren.

 

DieReferenz: Wie funktioniert das denn jetzt von der Technik her: Sind da lauter einzelne Player für jeden einzelnen Platz, oder gibt es da einen mächtigen Medienserver?

Carlsson: Jede Brille braucht einen eigenen Player, weil ja jeder selbst bestimmt, wo er gerade hinsieht. Der jeweilige Rechner spielt  das Signal zu, das gerade benötigt wird. Deswegen kannst du das nicht über einen einzigen Rechner machen.

 

DieReferenz: Dann ist also jeder Platz in Eurem Vorführraum autark?

Carlsson: Prinzipiell ja – aber um alle Rechner gleichzeitig zu starten und mit der Kinetik zu synchronisieren, sind die Rechner in ein Netzwerk eingebunden, dass auch noch über einen Steuerungsrechner verfügt.

 

DieReferenz: Das heißt, man könnte das auch mit nur drei Sitzplätzen machen in einem kleineren Raum. Wie lange habt Ihr jetzt für diesen kurzen Film am Content gearbeitet?

Carlsson: Na ja, das Filmen geht schnell, da stellst du eine Kamera hin und nimmst deinen Content auf. Das hat einen Tag gedauert, die dazu gehörige Computer-Animation ist das Aufwendigere, so was hat in diesem Fall eine Woche gedauert. Effekte wie der mit dem Wasser sind schon etwas komplexer ...

 

In der Lounge: Sky du Mont mit Morten Carlsson.
In der Lounge: Sky du Mont mit Morten Carlsson.

 

DieReferenz: Haben Sie so etwas schon gesehen, Herr Du Mont?

Du Mont: So was in der Komplexität noch nicht, aber ich habe wie gesagt die Brillen ausprobiert, unterschiedliche Brillen. Und die Qualitätsunterschiede sind enorm.

Einmal gab es sogar Haltepunkte, wo man sich festhalten konnte, und ich dachte mir noch, das ist doch albern, nur weil man so eine Brille aufsetzt … Und dann saß ich plötzlich auf einem Motorrad und habe mir gedacht, mein letztes Stündlein hat geschlagen, als eine Kurve kam. Da wusste ich, warum ich den Griff habe.

Sony sagt ja selber, dass bei Spielen nicht die Altersbegrenzung zu beachten ist, die auf dem Spiel steht, sondern die, die für die Brille empfohlen wird, und die ist weitaus höher. Und jetzt weiß ich, warum.

 

Weitere Infos:

www.prg.com/de/de/news-info/best-of-events-boe

https://lab.prg.com/